Tallinn

Der nördlichste baltische Staat ist sehr skandinavisch geprägt. Die Menschen fühlen sich sehr dem benachbarten Finnland verbunden. Die Esten sind ruhige Leute, wortkarg und die Ostsee nennen sie „Westmeer“.
Tallinn spielte in der Hanse als eine der wichtigen Kontorstädte neben Nowgorod, London, Bergen(Norwegen), Lübeck und Danzig eine bedeutende Rolle für den Handel mit Russland und Konstantinopel. Der Hanseverbund nutzte die durch die Wikinger eingeführten Handelsrouten, etablierte Kaufleute und Großgrundbesitzer in den Städten und auf dem Land. Sie modernisierte und erweiterte dazu die Schiffsflotte der Wikinger. In der Weiterentwicklung entstanden Lagerhallen und Kontore in Backsteingotik, die sich in allen Hansestädten ähnelten und noch heute die Stadtbilder der Städte prägen. Das Handelssystem brach mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken ein. Der Handel mit Russland und Vorderasien war damit nahezu tot. Gleichzeitig eröffnete die Ära von Kolumbus sowie die Umrundung Afrikas neue Handelswege und -ziele, so dass die Bedeutung der Hanse stark zurückging.



Tallinn darf sich einer der schönsten Altstädte Europas rühmen, hanseatisch-mittelalterlich geprägt und meisterhaft restauriert. Bis 1918 wurde sie unter „Reval“ geführt. Als wunderschöne baltische Hauptstadt von geschichtsträchtiger Kultur (700 Jahre Architekturgeschichte), bietet sie eine malerische Anziehungskraft, mit der nur wenige Städte mithalten können. Der Preis „Kulturstadt Europas“ im Jahr 2011 setzte auch ein Zeichen für die zunehmende Integration des Landes in die Europäische Union. Hier kann man kaum noch den grauen Sowjetmuff spüren.
Tallinns Altstadt ist zweigeteilt: die Oberstadt oder der Domberg im Südwesten gilt als ursprünglicher Stadtkern. Hier wohnten einst der Adel und der Klerus, während die hanseatischen Kaufleute und Handwerker in der Unterstadt wohnten. Die Altstadt wurde getreu den Plänen des 13. Jahrhundertmit seinen engen Kopfsteinpflasterstraßen wieder aufgebaut. Umgeben von praktisch vollständigen mittelalterlichen Mauern befinden sich Museen und hübsche Kirchen.

In der Oberstadt (Domberg) lohnt ein Blick auf das Meer der roten Dächer von der Kohtuotsa-Plattform aus. Die Altstadt ist umgeben von einer gut erhaltenen Stadtmauer und zahlreichen Wehrtürmen.






Der größte Wehrturm ist die Fette Margret am Hafen.
Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Lange Hermann oder Pikk Hermann als größter erhaltener Turm der Alten Burg, die später zum Schloss Katharinas umgebaut wurde.


Heute tagt das estnische Parlament im Schloss Katharinas.
Am Schlossplatz gegenüber steht die orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale aus dem 19.Jhd. mit dem Trio schwarzer Zwiebeltürme.


Dagegen gilt die Domkirche aus dem 13.Jhd. als eine der Ältesten Estlands. Sie ist eine christliche Kirche und spiegelt den Einfluss der Hanse wider. An den Wänden findet man die Wappen berühmter Bürger von Tallinn, die entweder Mitglied in der Hanse oder berühmte Admirale der russischen Armee waren.





Die Altstadt in der Unterstadt ist geprägt von kleinen Gassen und Plätzen mit üblem Kopfsteinpflaster für unsere Füße.








Prächtige Gildehäuser zeugen im Mittelalter vom Wohlstand der Kaufleute.





Ein mittelalterliches Ensembel in spätgotischer Architektur wird Drei Schwestern genannt. Es waren Kaufmannshäuser, die sowohl als Wohn- wie auch als Lagerhäuser dienten.
Hauptplatz ist der Rathausplatz mit den hübsch renovierten Gildehäusern und dem Rathaus.







Besonderheit ist die Katharinenpassage, die sich an einem ehemaligen Kloster entlang zwängt. Sie beherbergt Werkstätten und Geschäfte der sog. Katharinengilde, ein Zusammenschluss von Frauen aus einer Kunsthochschule, die ein eigenes Projekt zur Herstellung künstlerischer Artikel aufgezogen haben. Sie bieten auch Kurse für verschiedene Handwerke (Keramik, Glaskunst, Stoffe , Hüte, etc.) an.