Jo’burg und Soweto

Wir hatten keine konkrete Vorstellung davon, was uns hier erwarten wird. Berichte aus Presse und einschlägigen Magazinen informierten über den starken Wandel der einst als besonders gefährlich eingestuften Viertel, insbesondere der Stadtkerne. Auch die Berichte über neue Szeneviertel, in denen Musik und Kunst eine neue Entwicklung nehmen, steigerten unsere Neugier auf Jo’burg und natürlich auf Soweto, dem ehemaligen größten Township Südafrikas. 

Jo’burg zeigte sich von sehr verschiedenen Seiten. Die Villenviertel unterscheiden sich nicht von anderen und könnten ebenso in Sao Paulo oder Miami anzutreffen sein: breite Alleen, keine Menschen auf der Straße, festungsartig eingezäunte Grundstücke, Paläste umgeben von wunderbar gepflegten Gärten…in denen jetzt gerade die blauen Jacaranda Bäume blühen – ein Traum!

Weite Teile der Innenstadt, die Rüdiger auf seinen Dienstreisen noch als „No-go-Viertel“ kennenlernte, sind inzwischen saniert, Plätze kultiviert, Museen angesiedelt und zu Fuß zu erobern: Newtown. Hier finden sich Repräsentanzen großer nationaler und internationaler Firmen.  Ein Freilichtmuseum entlang der Main Street widmet sich der Geschichte des Gold- und Diamanten-Bergbaus, dem Ursprung von Jo’burg.

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Auch Nelson Mandela ist nicht nur in Soweto sondern auch hier allgegenwärtig, ihm wurde ein repräsentativer Platz mit Denkmal gewidmet. Auch Gandhi, der hier über 20 Jahre lebte, wird durch einen architektonisch sehr interessant gestalteten Platz geehrt.

Kommt man dagegen nach Hillbrow oder Yeoville, so ändert sich das Straßenbild schlagartig: ein extremes Menschengewimmel aus Einwanderern aller afrikanischer Länder prägen das bunte Bild. Ein großer Teil sind illegale Einwanderer, die sich hier eine bessere Zukunft erhoffen, allerdings sich den Lebensunterhalt verdienen müssen. Dies führt natürlich zu mafiösen Verhältnissen in dem der Drogenhandel zum Lebensunterhalt zählt. Diese Stadtteile sollte man nicht alleine zu Fuß erkunden.

Gleich nebenan besichtigten wir das ehemalige, während der Apartheid berühmt berüchtigte Gefängnis, das Old Fort.

In eindrucksvoller Weise wird das Leben in diesem damals permanent überbelegten Gefängnis dargestellt. Die strikte Trennung und unterschiedliche Behandlung von Weißen, Farbigen und Schwarzen ist dabei besonders auffällig. Die Schwarzen wurden im berühmten Trakt Nr. 4 untergebracht. Dabei waren die wenigsten der Gefangenen Kriminelle. Die meisten waren wegen Verstöße oder Widerstand gegen die Apartheitsgesetze inhaftiert, die verlangten, dass jeder immer seinen Ausweis mitführte und die Versammlungen verboten, wobei mehr als drei Personen als Versammlung galten. Die brutalen Zustände insbesondere für die Schwarzen ließen bei uns ein beklommenes Gefühl zurück, wenn man bedenkt, dass diese Zustände bis weit in die 80er Jahre anhielten. Einige Gesetze sind erst ab 1986 nach verschiedenen Aufständen gelockert worden.

Auch Gandhi und Mandela waren hier „Gäste“, Mandela ist erst 1990 freigekommen. 

In dieser Stimmung sind wir dann nach Soweto gefahren, welches inzwischen mit mehr als 5 Millionen Einwohnern Jo’burg überrundet hat.

Ursprünglich gegründet im Zusammenhang mit dem Gold- und Edelmetall-Vorkommen zur Ansiedlung der Bergarbeiter. Der Name Orlando entstammt vom Heimatort des ehemaligen amerikanischen Grundbesitzers. Noch heute heißt das berühmte Fußballstadion, in dem auch das Endspiel der WM 2010 ausgetragen wurde, „Orlando West“.

Später zog dann das traurige Kapitel der Apartheid ein und der Ort wurde zur South West Township (So we to ) und Ziel der Umsiedlung von Millionen schwarzer Menschen.

Aufgrund der wachsenden Stadt bildeten sich natürlich auch hier Strukturen mit reichen und armen Vierteln. Beeindruckend sind die großen Siedlungen baugleicher 2 stöckiger Häuser für jeweils 4 Familien, die sogenannten Mandela Häuser. 

Wohnungen werden systematisch gebaut und an Bedürftige verschenkt. Es bestehen lange Wartelisten die entsprechend dem jährlichen Investitionsplan abgearbeitet werden. leider werden sie von den Bewohnern nicht immer gepflegt. 

Einen guten historischen Abriss vermittelt das Museum „Hector Peterson“, benannt nach dem 12 jährigen Opfer des Schüler-Aufstandes von 1976. Es zeigt in beeindruckender Weise den Widerstandskampf in Soweto in den 70 er bis 1990. 

Abschließend besuchen wir das Haus von Nelson Mandela. Es zeigt heute noch die Einschusslöcher und liegt benachbart zum Haus von Desmond Tutu. Beide Friedensnobelpreisträger sind verehrt von der gesamten Bevölkerung und ein Sonntags-Ausflugsziel. 

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