Saint John (New Brunswick)
Saint John ist mit 70.000 Einwohnern die größte Stadt der kanadischen Provinz New Brunswick – wir fanden eine Landkarte, auf der die Gegend als Neu-Braunschweig bezeichnet wurde, warum auch immer. Hier befindet sich der bedeutendste Atlantikhafen Kanadas nach Halifax.
Die Stadt leidet in den letzten Jahren unter der Zunahme der Kreuzfahrtschiffe – 2013 landeten hier 2 Mio. Passagiere an. Trotzdem bleibt Saint John eine attraktive und maritime Kleinstadt, die neben modernen Business Vierteln in eine kleine Altstadt zum Bummeln einlädt.

Auf diesem Bild kann man gut erkennen, mit was für einem kleinen Paddelboot wir unterwegs sind. Wir fahren nämlich nicht auf einem der beiden großen Pötten im oberen Bildbereich. Wo ist unser Kahn?
Historisch wurde sie 1604 von Franzosen gegründet, anschließend 1783 während des amerikanischen Bürgerkriegs von britische Royalisten aus der Region Neuengland, die hierhin flohen, eingenommen. Aus dieser Zeit stammt auch der Carleton Martello Tower, s.u.
Nach den Napoleon Kriegen fanden tausende irische Arbeiter ihren Weg nach Saint John, so dass sie heute als die am meisten irisch geprägte Stadt Kanadas gilt. Der St. Patricks Day wird großartig im März gefeiert.
Wir starten die Besichtigung am Old City Market und erhalten eine ersten Eindruck von Indian Summer im gegenüberliegenden Park:



Neuengland ist allgemein bekannt für ausgezeichnete Meeresfrüchte. Hier werden insbesondere Hummer(Lobster), Austern (Oysters) und Jakobsmuscheln (Scallops) empfohlen.




Holz ist das führende Material für den Hausbau. Die Kulisse erinnert an nordische europäische Landschaften.



Saint John liegt in der Fundy Bay. Sie ist bekannt für den außerordentlichen Gezeitenunterschied. Hier schwankt der Meeresspiegel 4x täglich um 5-10 Meter. Dies führt zu wechselnden Fliessrichtungen des Saint John River, das Ereignis wird Reversing Falls genannt.


Ganz in der Nähe befindet sich der angelegte Rocky Park mit idyllischen Seen und erstem Flair of Indian Summer.



Der Carleton Martello Tower stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und diente als britischer Wehrturm. Hier konnten wir die Wirkung von Schießpulver während einer Demonstration hören.

Endlich ein Seetag
Heute haben wir endlich unseren ersten, verdienten Ausruhtag. Seit unserer Ankunft in New York sind wir durchschnittlich 10 km pro Tag gelaufen. Allerdings mussten wir gestern Abend noch ordentlich tanzen, um den Tagesdurchschnitt zu erreichen. Unser Spitzentag lag übrigens bei knapp 20 km an einem Tag.

Halifax (HRM, Nova Scotia)
Die Hauptstadt von Nova Scotia ist mit ca. 500T Einwohnern die größte und wirtschaftlich stärkste Stadt der gesamten Atlantikregion Kanadas und zugleich die bedeutendste kanadische Stadt östlich von Montreal. Der Containerhafen ist bedeutendste Brücke zu Europa, da die Atlantik-Überquerung von hier 1 Stunde kürzer ist als von Boston.
Halifax weist weltweit den zweitgrößten Naturhafen (nach Sydney, Australien) auf. So sind die meisten Attraktionen und Lokale entweder entlang der weltweit längsten Promenade gelegen oder auf dem Hügel nahe der Halifax Zitadelle mit wunderbarem Blick über den Hafen.
Halifax erschütterten 3 Katastrophen, die sich im Hafen bzw. vor der Küste oder in der Nähe ereignet haben:
1912 sank die Titanic nach Kollision mit einem Eisberg im nördlichen Atlantik. Man brachte die geborgenen Toten nach Halifax als größte nächstliegende Hafenstadt. Auf dem Titanic Cemetary sind heute über 120 Gräber zu sehen.
1917 detonierte ein Schiff mit Munition, DNT und Flüssiggas nach einer Kollision mit einem anderen Schiff im Hafen derart, dass die Hafenfront vollständig zerstört wurde und mehr als 2000 Menschen ums Leben kamen. Die Haligonians sind noch heute den Bostonern für die Hilfsleistungen in dieser Krise dankbar und spenden ihnen zur Weihnachtszeit den schönsten Weihnachtsbaum.
1998 der Absturz der SwissAir Maschine in den Atlantik, ca. 5 km vor dem avisierten Flughafen von Halifax. Die Maschine von Boston nach Genf hatte Feuer gefangen und sollte in Halifax Not landen. Auch hier wurden die geborgenen Toten nach Halifax zur Identifizierung und ggf. Rückführung gebracht.
Wir setzen den Schwerpunkt auf die Erkundung der Halbinsel und die kleinen Orte der atlantische Küstenregion (Iconic Towns of Nova Scotia) und geniessen auf unserer Tour über die Halbinsel bei Sonnenschein die Färbung der Wälder – schönster Indian Summer. Auch freuen wir uns mal auf richtig beschauliche Landschaftsbilder nach den vielen urbanen Eindrücken.



Erstes Ziel ist das beschauliche Lunenburg – eine europäische Siedlung benannt nach dem Duke of New Brunswick (Braunschweig) und Lunenburg (Lüneburg). Das Örtchen wurde aufgrund der Geschichte als World Heritage Site anerkannt. Früher war es berühmt für seinen Schiffsbau und natürlich Fischfang, insbesondere des Kabeljaus. Nachdem die berühmten Banks zu 96% abgefischt, also überfischt sind gedeiht der Lobster prächtig, da kaum noch Kabeljaus da sind, die die Lobsterlarven verspeisen. Dies gilt für die gesamte Region.









Die Küste ist hier sehr zerklüftet, so dass man eher den Eindruck hat an Seen vorbeizufahren als an der Küste des Atlantiks. An der nächsten Bucht Mahone Bay liegt ein typischer Ferienort, der allerdings nur im Sommer belebt ist. Die Saison endet am kanadischen Thanksgiving (der 2. Montag im Oktober). Heute erwarten uns daher nur wenige Geschäftsleute. Die Einwohnerzahl sinkt im Winter von 3000 auf 1000.






Schließlich erreichen wir das bekanntere Peggy Cave. Eine Landspitze mit pittoreskem Leuchtturm und zahlreichen urigen Verkaufsständen, an denen man Lobster Rolls, Scallops und frischen Fisch erstehen kann.








Cape Breton Island
Die im Norden gelegene Insel von Nova Scotia ist die größte Ansiedlung von Schotten außerhalb Schottlands, die sich hier in dem kargen Hochland seit mehr als 200 Jahren heimisch fühlen.
Die Kleinstadt Sydney erreichte ihre größte Bedeutung im vergangenen Jahrhundert durch die Kohlevorkommen und die Stahlproduktion. “Sidney Coal Mining Area”. In dieser Zeit entstand ein reger Handel mit Boston, MA.
Mit der Schließung der Minen und der Kraftwerke reduziert sich die Wirtschaftskraft auf Export von Lobster, Schiffsverkehr und zunehmend Tourismus. Sydney belegt den Spitzenplatz bei Lobster-Export in Kanada, neue Märkte entwickeln sich in Asien.
Wir besichtigen zur Abwechslung mal eine Festung: das Fortress of Louisbourg.
Aufgrund einer Sturmwarnung wurde unser Ausflug auf 7:30 Uhr. vorverlegt in der Hoffnung dann noch rechtzeitig das Nordkap von Cape Breton Island zu umrunden. Wir werden sehen….
Das Fortress Louisbourg wurde durch die Franzosen als Festung und Ansiedlung errichtet. Sie nannten die Halbinsel Ile Royale. Die Franzosen entwickelten Louisbourg zu einem mächtigen Handelsplatz, der Güter zwischen Europa und der Karibik umschlug. Damit war Louisbourg der zentrale Umschlaghafen der Franzosen für alle Güter mit der neuen Welt, denn insbesondere Kakao, Zucker und Gewürze aus der Karibik waren beliebte Produkte in Europa.


Die Idee der Franzosen, hier längerfristig einen strategischen Stützpunkt zu halten, erwies sich als trügerisch. Es gelang Ihnen nicht, ausreichend Siedler aus dem schönen Frankreich in dieses karge Land zu bringen. Zudem waren die Briten mit ihrer Marine so deutlich übermächtig, dass die Festung innerhalb von 8 Jahren zweimal von ihen erobert werden konnte. Die besiegte französische Bevölkerung siedelte entweder nach Quebec oder zog sich in eine Enklave im Hinterland zurück. Letztere werden heute „Akadier“ gekannt.





Die starke Befestigung reichte nicht aus, da die Versorgung der Kolonie bei einer Belagerung nicht gesichert war und man folglich einer Belagerung nur kurze Zeit standhalten konnte. Es fehlten Siedler und damit die landwirtschaftliche Versorgung durch das Hinterland.






Außer ein paar Schafe, Ziegen, Hühner und Gänse gab es nur noch einige kleine Gemüsegärten im Fortress.





Räumlichkeiten: Governeur, Offizier, Geistlicher, Speisezimmer/Küche und Governeur.
Und dann kam der Sturm und das Ende des Indian Summers
Selten sind wir so mit Vollgas zurück auf das Schiff gebracht worden. Hinter uns wurde sofort die Gangway eingezogen und schon legten wir ab. Kaum zurück auf dem Meer angekommen, ging es auch schon los. Letztendlich umschifften wir das Nordkap bei Windstärke 10, Böen bis zu 110 km/h und Wellen bis zu 5m. Das war schon ein Erlebnis, das Bärbel überwiegend tief versunken im Bett verbrachte.





Die Zeit des Indian Summers ist nun vorbei, da der Sturm die letzten Blätter von den Bäumen geweht haben dürfte.
Prince Edward Island (PEI)
Die grüne Insel am Südrand des St. Lorenz Golfes ist die kleinste Provinz Kanadas. Trotz ihrer Abgeschiedenheit zieht sie im Sommer zahlreiche Kanadier an, die hier an den 200 km Sandstränden Urlaub machen. Die seit 1998 bestehende 12,9 km lange Brücke nach New Brunswick (Confederation Bridge) erleichtert die Anreise vom Festland enorm.


Charlottetown ist die größte Siedlung der Insel und mit 65000 Einwohner eher eine Kleinstadt. Das Zentrum aus dem 19. Jahrhundert zeigt alte Stadt- und Kapitänshäuser und ist insgesamt sehr gut erhalten.











Historische Bedeutung erlangte der Ort 1864 als Austragungsort der “Charlottetown Conference”, in der provinziale Staatsmänner zur Gründung einer maritime Union zusammenkamen. Da diese Union über die “British North America Union” zur “Canadian Confederation” führte, rühmt sich Charlottetown seitdem als “Birthplace of Confederation” und zelebriert jährlich ein Schauspiel „confederation debate“ in der Altstadt.
Kulinarisch bietet der Ort auch Einiges: die Straßen sind gepflastert mit Fischrestaurants, die frischen Lobster, Oyster und Scallops anpreisen. Wir konnten nicht widerstehen und haben uns Lobster Rolls gegönnt, um zu überprüfen, ob hier wirklich der beste Lobster Kanadas angeboten wird.




Abschließend haben wir eine Stadtrundfahrt mit einer Pferdekutsche unternommen. Glücklicherweise gab es dicke Dauendecken..

