Aufgrund der Umplanung in Bezug auf Dakar haben wir die Gelegenheit vier Inseln zu besuchen. Neben San Antão und Fogo besuchen wir jetzt zusätzlich Sal und Santiago mit der Inselhauptstadt Praia.
Zunächst aber haben wir erst einmal Pause. Ein gemütlicher Seetag steht an und natürlich wieder ein ganz tolles Meeresfrüchte Buffet. Diesmal mit Red Snapper, Papageifisch, Grouper und Hummer.


San Antão


San Antão empfängt uns versteckt unter vielen Wolken. Sie ist eine der nördlichen Inseln des Archipels und damit gehört sie zu den Inseln über dem Winde. Dieser Zugehörigkeit macht sie auch alle Ehre. Es pfeift ordentlich und wir warten mit gemischten Gefühlen auf unseren Zodiac-Transfer. Überraschender Weise verläuft die Bootsfahrt ruhiger als erwartet. Allerdings fahren wir mit den Wellen, was deutlich ruhiger und damit wesentlich angenehmer ist. Aber was wartet auf uns bei der Rückkehr? Wir hoffen inständig, dass der Wind nachlässt oder zumindest etwas dreht.
Zunächst fahren wir an der Küste entlang. Dabei überqueren wir ein Lavafeld nach dem anderen. Soviele endlose Lavafelder haben wir noch nie gesehen.



Anschließend biegen wir nach Norden ab und fahren die Steilküste entlang. Wir passieren kleinere Orte, bis wir schlussendlich in ein enges Tal abbiegen.







Wir gehen ein gutes Stück des Weges zu Fuß. Das Tal ist total grün und wir sehen die vielen Terrassenfelder. Zuckerrohr, Bananen, Ananas, Mais, Advokados, etc. werden hier angebaut. Die Kapverden haben aber das Problem, dass viele Einwohner auswandern und dass es somit nicht mehr genügend Bauern zur Bestellung der Felder gibt. Alternativ große Maschinen einzusetzen scheidet aber aufgrund der Landschaftsverhältnisse aus.





Auf den Kapverden wird viel Rum produziert. Wir sind natürlich gespannt, wie der lokale Rum schmeckt und machen ein Rum-Tasting. Wir stellen fest, dass uns der karibische Rum eindeutig besser schmeckt.



Es beginnt zu regnen und nun zeigt sich San Antão von einer ganz anderen Seite. Der Nordostpassat hat die Wolken ins Tal geschoben und während des gesamten Mittagessen gießt es in Strömen. Erst als wir wieder Richtung Küste fahren, hellt es sich etwas auf. Wir fahren weiter nach Norden und besuchen den kleinen Fischerort Ponta do Sol. Die Fischer fangen hauptsächlich Thunfisch und Makrelen, wobei die Fische eine Mindestgröße haben müssen. Leider fangen die Fischer immer weniger, denn illegale Fischerei und die chinesischen Fangflotten fangen gnadenlos alles weg.





Die Karawane unserer Minibusse setzt sich wieder in Bewegung und wir fahren zu unserem Tal zurück. Diesmal fahren wir aber den Berg hinauf zum Kratersee. Die steile einspurige Straße ist mehr als abenteuerlich und teilweise geht es rechts wie links mehrere 100m senkrecht in die Tiefe. Nun erreichen wir auch noch die Wolken. Wir sehen kaum noch etwas und hoffen, dass die Bergspitze aus den Wolken herausragt. Die Fahrt wird immer abenteuerlicher und tatsächlich wird es auf einmal wieder etwas heller. Aber leider ist der Berg nicht hoch genug und so sehen wir, oben angekommen, außer Nebel so gut wie nichts. Schade!!




Kaum fahren wir weiter in Richtung Süden, reißt der Himmel auf und die Sonne kommt heraus und so haben wir noch eine sehr schöne Fahrt zu unserer Anlegestelle. Aber leider hat sich unsere Hoffnung hinsichtlich des Windes nicht erfüllt, im Gegenteil. Der Wind hat sogar noch weiter aufgefrischt und so wird unsere Rückfahrt mit dem Zodiac zum Desaster. Wir müssen gegen meterhohe Wellen ankämpfen und erreichen das Schiff völlig durchnässt. Bärbel hatte sogar richtig Angst aus dem Boot zu fallen und hat von Zodiacs erst einmal die Nase gestrichen voll. Sie schwört: nie wieder.
Fogo
Der aktive Vulkan Pico de Fogo bestimmt mit seinen 2800m das Bild der kleinen Insel Fogo.

Wir wollen die große Caldera des Pico de Fogo, Cha des Calderas, in der beim letzten Ausbruch 2014 das Dorf Portela der Lava zum Opfer fiel, besuchen. Bärbel bleibt allerdings an Bord. Ihre Kleidung, insbesondere die Wanderschuhe, sind noch nicht trocken und obwohl heute kaum Wellen sind und die Sonne scheint, ist sie noch nicht bereit, wieder in ein Zodiac zu steigen.
Diesmal macht das Tendern mit dem Zodiac richtig Spaß.




So versäumt sie eine wunderschöne Tour. Auf unserem Weg zum Pico de Fogo überqueren wir wieder viele Lavafelder. Am Bewuchs der Felder kann man das ungefähre Alter des Lavastrom ablesen.






… und zum ersten Mal kann ich etwas an der Straße kaufen. Jetzt bin ich stolzer Besitzer von frischem Pfeffer aus Fogo und einem Fogo-Haus aus Basalt.
Wir erreichen die Caldera und mit atemberaubenden Blick auf die Vulkankegel überqueren wir beeindruckende Lava- und Aschefelder.






Links neben dem Pico de Fogo sehen wir den beim letzten Ausbruch neu entstandenen Vulkankegel. Obwohl er nicht sehr groß ist war sein Ausbruch verheerend. An seinem Hang sieht man sehr gut die Lavaströme, die sich in die Caldera ergossen.
An vielen Stellen in der Caldera sieht man die Dächer von verschütteten Häusern.




Nach dem verheerenden Ausbruch des Pico de Fogo, wurden für die Opfer mit deutscher Hilfe neue Wohnungen außerhalb der Caldera gebaut. Bestimmt keine schlechte Idee, hätte man berücksichtigt, dass die neuen Bewohner auch Arbeit brauchen und nicht nur eine neue Wohnung. Die Opfer waren Bauern und hätten auch ein Stück Land gebraucht. In der Caldera hatten sie Gemüse und, man glaubt es kaum, Wein angebaut. Fogo ist bakannt für seine Weine.



Es beginnt der Wiederaufbau der alten Stadt. Ein Bauer zeigt uns stolz seine neue Wohnung.

Überall sind Bauaktivitäten. Ganze Wohngebiete werden geplant und die einzelnen Baustellen zeigen eindruckdvoll die Vorgehensweise. Erst wird mit grobem Geröll alles eingeebnet und dann der Baugrund mit immer feinerem Material geglättet. Fertig ist der Grund, auf dem nun das neue Haus entsteht.




Sal
Sal ist eine flache Insel im Nordosten des Archipels und gehört damit zu den Inseln über dem Winde. Sie liegt nur 560 km westlich von Afrika.
Sal war bis 1990 das Zentrum der Salzgewinnung- daher der Name. Die Mine Pedra de Lume befindet sich inmitten eines tiefen Kraters. Die dort befindliche Sole ist so salzhaltig wie das Tote Meer. Die Salzindustrie prägte die Insel bis 1990 und führte zu einer guten Infrastruktur. Zu Spitzenzeiten wurden bis zu 30t Salz pro Tag im wesentlichen nach Brasilien geliefert.

Santa Maria im Süden von Sal entwickelt sich offensichtlich zu einem Touristenzentrum. Es ist bekannt für seine einzigartigen Strände, die aus weißem Saharasand bestehen. Der Nordostpassat ist ein Garant für stetig starke Winde und so ist dieser Ort ein Paradies für Surfer.
Wir fahren nach Santa Maria, aber vorher müssen wir eine Zodiacfahrt bei recht hohem Wellengang überstehen. Bärbel ist wieder mutig und kommt mit. Berechtigt, denn unsere geübte Fahrerin schafft es, uns fast trocken an Land abzusetzen.
Santa Maria ist sehr afrikanisch geprägt. Viele Bauruinen zeugen von der Coronakrise. Große Internationale Hotelketten haben Santa Maria als aufstrebenden Urlaubsort erkannt, aber in der Coronakrise ihre Investitionen zurückgestellt. Heute gibt es eine kleine Promenade mit einigen Geschäften und Restaurants und dem sehr guten Traditionshotel Morabeza.






Wunderschön sind die Sandstrände aus Saharasand; das türkisblaue warme Wasser lädt zum Baden ein.
Santa Maria ist auch ein Fischerdorf. Der frisch gefange Fisch wird von den Frauen gesäubert und dann verkauft.





Santiago
wir erreichen unser letztes Ziel, die Insel Santiago und legen in der Hauptstadt Praia an.
Santiago ist die Insel, die die Geschichte des Archipels maßgeblich geprägt hat. Mittlerweile lebt mehr als die Hälfte der Kapverdianer auf dieser Insel. Mit einer Fäche von 990 km² ist Santiago wahrscheinlich das landschaftlich abwechslungsreichste Eiland. Man findet feinsandige Strände genauso wie mächtige Gebirge und trockene Steppengebiete, aber auch fruchtbare Täler und Hochebenen.
Zwei vulkanische Gebirgszüge dominieren die Struktur der Insel: Im Norden zieht sich der Bogen der Serra Malagueta (1064m) von der West- bis zur Ostküste, im Zentrum der Insel breitet sich das Gebirge um den höchsten Berg der Insel Pico d’Antónia (1394m) aus.
Santiago ist wohl die afrikanischste Insel der Kapverden, war sie doch viele Jahre Zentrum des Sklavenhandels mit Amerika.
Die Hauptstadt Praia mit ihren gut 100.000 Einwohnern, pulsiert und wächst. Hier befindet sich das staatliche und ökonomische Epizentrum des Landes.
Wir machen zunächst einen Spazierung durch den auf einem Plateau gelegenen Altstadtkern mit seinen prächtigen Häusern aus der Kolonialzeit und der Praça Alexandra de Albuquerque, dem Hauptplatz in Praia. Hier befinden sich auch die Kirche Nossa Senhora da Graça, der Lebensmittelmarkt, eine schöne Einkaufsstraße mit vielen kleinen Geschäften, der Justizpalast, das Museo Ethnográfico, der Präsidentenpalast, das Parlamentsgebäude im Stadtteil Achada de Santo António, und die Altstadtfestung Bateira, von der aus man einen wunderschönen Blick aufs Meer genießen kann.















Amílcar Cabral war der bedeutende Unabhängigkeitskämpfer für die portugiesischen Überseeprovinzen Guinea Bissaui und Kapverden. Er war Poet, Agrarwissenschaftler und Politiker. Er ist heute der Nationalheld der Kapverden.
Aber auch Armensiedlungen, die an Brasiliens Favelas erinnern und Vorstädte mit mehrstöckigen Betonbauten und vielen Straßenmärkten bestimmen das Stadtbild.




Unsere Abschlusstour führt uns bei heißem Wetter nach Cidade da Ribeira Grande de Santiago, die ehemalige Hauptstadt Santiagos (früher Cidade Velha genannt). Sie wurde von der UNESCO im Juli 2009 zum Weltkulturerbe ernannt. Die Stadt liegt strategisch günstig an einem Fluss mit einem sehr fruchtbaren Tal, der heute leider ausgetrocknet ist und einem Plateau, auf dem die Portugiesen eine mächtige Festung, die Fortaleza Real de São Felipe, errichteten.





Die romantischen Häuschen der Rua Banana, denen eine auch für Portugal typische Bauart zu eigen ist, wurden im Rahmen eines UNESCO-Projekts originalgetreu wieder aufgebaut. Dass Cidade de Santiago zu seiner Blütezeit, als es noch Ribeira Grande hieß, Zentrum des internationalen Sklavenhandels war, bezeugt der Pranger (Pelourinho), ein Obelisk nahe dem Stadtzentrum.








Hier wurden die Sklaven aus Afrika für den Weiterverkauf nach Amerika vorbereitet. Sie wurden zunächst getauft und bekamen neue Namen, um jede Verbindung zur Heimat zu kappen. Anschließend wurden Sie für die Arbeiten auf den Feldern ausgebildet. So konnten sie anschließend als katholische Fachkraft ohne Wurzeln zu hohen Preisen in Amerika verkauft werden.
Anschließend geht es nach einem landestypischen Abendessen leider wieder Richtung Heimat.

