Medellín

Anreise

Wir fahren nach Norden in Richtung Manizales. Dort biegen wir auf den auf den längsten Pass der Welt, dem Alto de Letras ab. Der Alto de Letras ist ein Riese unter den Gebirgspässen. Der Pass überwindet die gesamte Zentralkordillere der Anden und verbindet Mariquita im Departamento Tolima mit Manizales, Hauptstadt des Departamentos Caldas, also damit auch Bogota mit Medellín. Er führt vorbei am Nevado del Ruiz, dem zweithöchsten aktiven Vulkan in der nördlichen Hemisphäre und einem der höchsten Berge Kolumbiens (5.321 m).

Wir verlassen Manizales und klettern sehr schnell hoch, immer denselben Autos in der langen Schlange folgend. Der Pass ist der Traum vieler Radfahrer. Wir jedoch haben Zweifel, dass das Radfahren bei diesem Verkehr wirklich Spaß macht.

Der Letras klettert auf einer Länge von 81 Kilometern um knapp 4.000 Höhenmeter am Stück (zwischendurch geht es allerdings auch ein paar mal kurz abwärts). Dabei durchfährt man sämtliche Klimazonen, vom heißen tropischen Klima in Mariquita bis zum hochalpinen Gletscherklima auf der Passhöhe auf fast 3.700 m. Aber selbst auf dieser Höhe ist die Landschaft noch immer faszinierend grün!

Die Vegetation der Páramos, der typischen Hochlandsteppen der nördlichen Anden, ist einzigartig und findet sich nur in großen Höhen oberhalb der Baumgrenze (ca. 3.000-3.500m) und im feuchten Klima nahe des Äquators. Leider haben wir keinen klaren Blick auf den Nevado del Ruiz.

Wir übernachten im Hotel Termales Del Ruiz auf einem Hügel im Nationalpark Los Nevados, nachdem wir kurz vor der Passhöhe in einen unbefestigten Seiteweg abgebogen sind. Das Hotel liegt auf 3.500m Höhe. Das Zimmer ist unbeheizt aber dafür haben wir auf unserem Balkon einen Wirlpool mit warmen Wasser aus der Thermalquelle. Trotz allem nutzen wir die Gelegenheit, unsere durch das tropische Klima feuchte Wäsche zu trocknen.

Abends haben wir zum Glück einen Platz am Holzofen bekommen.

Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Manizales und dann weiter nach Medellín. Leider ist die Schnellstraße auf dem letzten Teilstück gesperrt und wir müssen über die alte Passstraße fahren. Da auch hier eine einspurige Baustelle ist, werden aus der geschätzten zweistündigen Fahrzeit 5 Stunden, sodass wir erst abends spät in Medellín eintreffen.

Medellín

Mit mehr als 2,6 Millionen Einwohnern ist Medellín die zweitgrößte Stadt nach Bogota. Sie liegt in einem Tal in der Zentralkordillere der Anden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von 1538 m. 

Die Stadt ist aufgrund ihres ganzjährig sonnigen und warmen Klimas als „Stadt des ewigen Frühlings“ bekannt. Nur an unserem Besichtigungstag macht der Frühling leider eine kleine Pause. Es ist bewölkt und recht trübe, aber zum Glück regnet es nicht.

Die Einwohner von Medellin und Umgebung werden von anderen Kolumbianern spasseshalber “Paisas” genannt – übersetzt „Bauern“. Das soll eine Charakterisierung der einfach gestrickten, ländlichen Bevölkerung sein. Unser Guide verglich den Umstand mit den Bayern in Deutschland.

Noch in den 90er Jahren nach dem Tod von Pablo Escobar war die Stadt von einer hohen Kriminalitätsrate (siehe Exkurs Drogenkartelle) geplagt gewesen. Seitdem nahm die Stadt eine rasante Entwicklung und ist heute für ihre erfolgreiche Stadtentwicklung weltweit anerkannt.  

Medellíns Geschichte ist eng verbunden mit dem Leben und Wirken Pablo Escobar und extremer Bandengewalt. Der Krieg zwischen dem Cali Kartell und Escobar forderte viele Todesopfer. Die Zeit nach Tod des Patron Escobar 1993 fand keine unmittelbare Beruhigung, da ein neues Machtvakuum zu neuen Entführungen, Erpressungen und Bombenatten- taten durch die Machtkämpfe zwischen linken Guerilla Gruppen und rechten paramilitärischen Organisationen führte.

Erst 2002 ordnete der Staatspräsident Alvaro Uribe eine Befreiung der Comuna 13 von den Guerillas an (Operation Oríon). Diese endete allerdings mit einem der größten Massaker der Geschichte. Danach setzt allmählich ein Mentalitätswandel ein und es gelang durch „Friedensvereinbarungen“ die Auflösung der einzelnen Gruppierungen. 

Es gelang den Verantwortlichen, bahnbrechende Infrastrukturprojekte zu initiieren: der Bau der Metro und später die Seilbahnanbindung der Armenviertel an das öffentliche Verkehrsnetz. Durch neuen Transportwege gelang eine gute Integration und die Viertel wurden messbar friedlicher. Heute fährt man mit der Seilbahn hinauf in den Stadtteil Santo Domingo, einst berüchtigt für seine Bandengewalt.

Das innovative Programm zur Stadtentwicklung wandelte das Gesicht von einer der gefährlichsten Städte der Welt zu einem Vorbild urbanen Lebens. 2012 wurde Medellín vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt ernannt. Das beste Beispiel ist die Comuna 13.

Die Comuna 13 an der Steilhanglage galt lange als No-go Area. Inzwischen hat sie sich über ein Transformationsprojekt zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt.

Eine Ursache liegt in der Schaffung einer neuer Fussgängerbrücke zwischen den Stadtteilen zur leichteren Anbindung sowie von einzigartigen Freiluftrolltreppen für den Zugang in die oberen Bereiche. So können Bewohner und heute auch Touristen leicht zu den inzwischen touristischen Attraktionen gelangen. 

Heute ist die Comuna 13 ein touristischer Magnet.

Das ganze Viertel ist sehr laut. Überall wird getanzt und gefeiert. Breakdance-Aufführungen gehören zum Alltag.

Wir treffen Jasmine, alias JAZZMIND05 auf Instagram. Sie ließ es sich nicht nehmen, uns Ihr Können durch ein kleines Privatkonzert mitten auf der Straße zu zeigen. Super toll.

Das Zentrum von Medellín

Am Plaza San Antonio stehen zwei Vogel-Figuren von Botero: die erste wurde von Unbekannten durch ein Bombenattentat zerstört. Daraufhin hat Botero ein weiteres Exemplar gefertigt und der Stadt Medellin unter der Auflage geschenkt, dass auch das zerstörte sichtbar bleibt. Er bezeichnet die Zerstörung als die größte Dummheit – dem können wir nur zustimmen.

Am Plaza Botero sind viele Statuen Fernando Boteros, die inzwischen zum Wahrzeichen der Stadt geworden sind, ausgestellt. Wir kennen Botero bereits aus Bogotá aus dem gleichnamigen Museum. Das Museum Antiochia begrenzt den Platz im Westen und dem klassizistischen Gebäude – Palazzo de la Cultura im Süden. 

Ein Hochhaus sticht durch seine Form besonders heraus: das Nadelhaus Coltejer wurde als Hauptquartier einer großen Weberei erbaut. 

Der Hügel Cerro Nutibara

Der Hügel Cerro Nutibara ist idealer Aussichtspunkt über die Berge und Täler von Medellin und Ausflugsziel. Da Medellin noch sehr jung ist und über keine wirklich altes  historisches Viertel verfügt, wurde hier ein kleiner Ort mit Kolonialgebäuden künstlich errichtet. Die Statue erinnert an die Ureinwohner dieser Gegend.

Hier befindet sich auch Bildnis von Tomas Carrasquilla, der “Goethe” von Kolumbien.

Auch sie haben den Hügel für sich entdeckt und versuchen mit aller Kraft, gegen den Lärm anzuschnattern.

Unser Hotel

Unser Hotel ist eine charmante Villa im Herzen von Medellín. Es hat einen schönen tropischen Garten und bietet so eine einzigartige Kulisse für unseren Aufenthalt. Die Villa ist eine Oase der Ruhe und ist perfekt im Zentrum des Viertels El Poblado in der Nähe von Bars, Restaurants, Boutiquen, Museen und Parks gelegen.

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