Azoren

Vor uns liegen zwei Seetage. Der erste ist zwar etwas rauh, aber danach beruhigt sich die See und wir genießen eine angenehme Überfahrt.

Wir erfahren, dass auf São Jorge täglich an die zwanzig Erbeben stattfinden was auf den anderen Inseln ähnlich ist. Da sie aber nur sehr leicht sind, spürt man sie nicht. Erschreckend? Nein, denn das bedeutet, dass sich die Spannungen in der Erde entladen können und sich nicht aufstauen, um sich dann in einem großen Beben zu entladen.

Und so genießen wir die Überfahrt, z.B. mit Thunfisch, Oktopus und Schampus – eine gute und schöne Vorbereitung auf die Zeit auf den Azoren …

São Miguel

São Miguel  ist die größte Insel der Azoren und am Ähnlichsten zu Europa. Die Hauptstadt Ponta Delgada erscheint als Außenposten von Westeuropa – sie kommt einer Metropole schon sehr nahe. Im quirligen, urbanen Zentrum findet man alle üblichen Angebote für Shopping und Ausgehen.

Die Schiffe legen im Süden der Insel an der Uferfront Portas do Mar an, eine vom portugiesischen  Stararchitekten Manuel Salgado 2008 erbaute postmoderne Anlegestelle aus zwei Ebenen, von der aus man die Marina überblicken kann. Weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind hier  Gothic Church of St. Sebastian, Chapel  of Our Lady of Hop, der schmucke Platz Campo Sao Francisco im Westen oder zum Ausruhen der Jardim  António Borges (Botanical Gardens).

Unsere Inselrundfahrt führt zunächst über mit Hortensien gesäumten Straßen an die Nordküste, vorbei an den Teeplantagen zum Aussichtspunkt Pico do Ferro.

Der Tee wächst an der Nordseite der Insel und ist von hoher Qualität. Der salzige Nordwind reduziert den Schädlingsbefall und sorgt für eine sehr reiche Ernte.

Vom Pico do Ferro hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Lago Furnas, die alte Caldera, und der Stadt Furnas mit den neuen Calderas, den Hot Springs. Man riecht den Schwefel gut, aber es stinkt wesentlich weniger als in den Sulphur Springs auf St. Lucia.

Auf uns wartet ein interessantes Mittagessen und zwar wird es mit Mutter Erden gekocht. Man hat Öfen in die warme Erde gebohrt, in denen die Töpfe mit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln eingelassen werden, um das Essen, nachdem der Ofen verschlossen wurde, für 4 – 5 Stunden bei konstanter Temperatur von 90 Grad zu garen. Wem fällt etwas auf?

Anschließend besuchen wir den wunderschönen, privaten Botanischen Garten Terra Nostra mit einem großen Hotspring Mineral Pool.

Danach fahren wir über die ehemalige Hauptstadt Vila Franca zurück zum Schiff.

São Jorge

Die Insel  São Jorge liegt wie ein langgezogener Drache  im Meer,  obwohl auch diese die Insel vulkanischen Ursprungs ist.  Sie misst  53 km Länge und 8 km Breite. Die Hälfte der Insel liegt über 300 m. Auf knapp 9000 Einwohner kommen 30000 Kühe, die auf den Weiden des Hochlands grasen. Sie produzieren Milch für den berühmten Queijo de São Jorge.

Die Insel war, wie alle Inseln, unbewohnt als die Portugiesen hier 1430 siedelten. Später folgten Flamen, Italiener, Engländer sowie Bretonen. Haupt  Exportgüter sind Lebensmittel.

Sie gilt als Wanderinsel. Wälder weisen  einzigartige Pflanzen auf wie Azoren Candleberry Tree (Morella), Tree Heath, Pau-branco” (White Wood)  and Azores Juniper.

Der Tag beginnt für uns mit einer Überraschungen. Zunächst haben wir einen fantastischen Blick auf den Pico, der höchste Berg Portugals.

Doch dann wird es ernst. Nichts ist es heute mit einer Gangway ans Ufer, es wird getendert, aber mit Zodiacs. Und das wird richtig spannend ….

Nachdem wir unversehrt und vor allem trocken das Ufer erreicht haben, beginnt unsere Fahrt über die Insel. Ganz typisch sind auch hier die vielen Hortensien und die Natursteinwälle, die die Ländereien abgrenzen.

Interessant sind die Fajãs. Sie haben sich durch Lavazungen und Erdrutsche als flache, schwer zugängliche Flächen unterhalb der steilen Küste gebildet. Sie dienen der Bevölkerung insbesondere im Winter durch ihr mildes Klima als Rückzugsgebiet. Früher sind die Famer sogar mit ihrem Vieh und ihrem gesamten Hausrat im Winter auf diese Flächen gezogen.

In Velas besteigen wir wieder unsere Zodiacs. Leider hat der Wind aufgefrischt und die Rückfahrt zum Schiff gerät zu einem nassen Abenteuer …

Faial 

Die portugiesische Insel  Faial liegt etwa in gleicher Entfernung zwischen Lissabon und St. John´s Neufundland. Das Wetter wechselt hier „alle zehn Minuten“. Prägend sind die zahllosen, mannshohen Hortensienbüsche, die zwischen Mai und Dezember prächtig blühen und der Insel den Beinamen Ihla Blu (blaue Insel) verdankt.

Die Insel ist 173 qkm groß, es leben hier ca. 15.000 Menschen und 30.000 Kühe grasen auf den unverschämt grünen Wiesen. In der Mitte der Insel thront der 1000 Meter hohe Vulkangipfel  Cabeco do Fogo. Zwischen 1957 und 1958 hatte dieser Vulkan nur Feuer und Rauch gespuckt und fruchtbare Landstriche unter der Asche begraben. Infolge dessen ist damals die Hälfte der Bevölkerung ausgewandert.

Vor der Küste ziehen  Blau- und Pottwale sowie Delfine Bahnen. Der Kommerzielle Walfang wurde in den 1970 er Jahren eingestellt, seitdem dient die alte Walfabrik als Informationszentrum. Von den  kreisrunden Wachtürme können Touristen die Wale beobachten oder zu  Whale-Watching Touren aufbrechen.

Anfang des 20. Jhd wurde die Inselhauptstadt Horta zum Dreh- und Angelpunkt  der telegrafischen Kommunikation zwischen Europa und den USA. Die Deutsch-Atlantische Telegrafengesellschaft  ließ Kabel von Emden nach Faial verlegen, das bis zu 500 Wörter pro Minute übertrug. Eingehende Telegramme aus Europa wurden auf der Insel an die US-Amerikaner weitergegeben, die sie über ihr Kabel nach New York schickten.  Noch heute ist die Bilderbuchsiedlung Colonia Alema, wo die deutschen Angestellten lebten, zu bestaunen.

Aufgrund der zentralen Lage eignet sich die Insel als Zwischenstopp bei  Atlantiküberquerungen. Hier dümpeln Segelyachten aus aller Welt, die auf dem Weg in die Karibik sind oder von dort kommen. Die Mauern der Marina gleichen einer Freiluftgalerie, weil es für die Besatzungen zum guten Ton gehört, die nackte Betonwand mit dem Namen des Bootes zu verzieren.

Horta lädt auch in zahlreiche Restaurants, Cafés und Kneipen ein. Berühmt ist das „Peter Café Sport“, welches dank des Wetterhahns in Gestalt eines Pottwals nicht zu übersehen ist. Hier bekommen Crews auch Ersatzteile, Segel geflickt und vieles mehr.

Leider hat der Wind aufgefrischt und der Transport zur Insel mit den Zodiacs musste abgebrochen werden. So genießen wir einen freien Nachmittag in der Sonne an Deck und sehen uns die Insel aus der Entfernung an. Bedauerlich ist allerdings, dass ausgerechnet der Shoppingtrip ausfällt und morgen ist auch noch Sonntag.

 

Flores

hat den Namen der  “Blumeninsel”, da sie aufgrund der vielen
Regenfälle und des fruchtbaren Vulkanbodens sehr grün und als  „floating
green garden“ bekannt ist. Neben einheimischen Pflanzen führten die Portugiesen
 auch zahlreiche Blumen aus Asien. Flores ist eines der UNESCO Biosphere
Reserves.

Flores und die Nachbarinsel Corvo liegen am Westrand der Azoren und gehören
zur Nordamerikanische Platte. Im Osten grenzt das mittelatlantische Riff, so
dass die ganze Region geologisch aktiv ist.

Flores gilt als die Insel der Wasserfälle und der malerischen Kraterseen.

Wir lernen nach den bisher schönen Tagen nun das typische Azorenwetter kennen. Die ganze Nacht hat es geregnet und gestürmt. An einen Landausflug ist nicht zu denken. Doch gegen 10 Uhr reißt es plötzlich auf und es wird sonnig, zumindest an der Küste, auch wenn die Wolken den Blick auf die Berge noch nicht freigeben.

Doch es stürmt weiter. Eine Landung mit den Zodiacs ist nicht möglich. Jetzt lernen wir die Flexibiltät der Expeditioncrew kennen. Wir fahren so lange an der Küste entlang, bis wir eine geschützten Abschnitt finden. Anschließend sucht die Crew eine Anlegestelle für die Zodiacs. Und dann geht es los, auch wenn nicht wenige beim Einsteigen und während der Überfahrt richtig Angst haben.

Und dann geht unsere Tour über die Insel los, während unser Schiff einsam an der Küste zurückbleibt.

Zunächst sehen überall in der Landschaft Lavareste.

Anschließend besichtigen wir einige Wasserfälle. Hier zeigt sich wieder das typische Wetter. Wir müssen schnell sein, denn binnen Sekunden verschwinden die Wasserfälle hinter den Wolken.

Im zweiten Anlauf gelingt es uns, die Kraterseen Wolkenfrei zu erreichen. Jeweils zwei Seen von unterschiedlichen Vulkanen liegen ganz dicht nebeneinander.

Zum Abschluss der Tour besichtigen wir noch Lavaströme, die ins Meer geflossen sind.

Terceira

Terceira erhielt ihren Namen, weil sie als Dritte der Azoren – nach Sao Miguel und Santa Maria – entdeckt wurde. Sie liegt im Zentrum, an den Kreuzungspunkten der Azoreninseln. Die Häfen in Angra und Praia bieten sich zum Beladen und Reparieren der Schiffe an, die zwischen Europa, Afrika, den westindischen Inseln und Indien verkehren. 

Die Vulkane sind sehr virulent, da die Insel auf dem Schnittpunkt der tektonischen Platten Nordamerikas, Eurasiens und Afrika liegt. Die Seismologen zeichnen daher bis zu 200 Erdstösse pro Tag auf. Für uns sind sie nicht wahrnehmbar. Ein schweres Erdbeben ereignete sich allerdings im Januar 1980 mit vielen Toten und erheblichen Zerstörungen historischer Stätte. Infolgedessen haben ca. 50% der Bewohner das Land verlassen. Die meisten sind nach Nordamerika ausgewandert.

Aufgrund des Seegangs und der Erfahrungen der letzten Tage hat sich die Crew entschieden, das Schiff an einem Pier anzulegen statt sich in abenteuerliche Zodiac Fahrten zu stürzen. Dies hat zur Folge, dass wir nicht in Angra, sondern in Praia de Victoria anlegten.

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Dieses Industriestädtchen an der Ostküste war geprägt von einer großen US-amerikanischen Militärbasis, auf der auch die amerikanischen Familien lebten. Dadurch entstanden Einkaufszentren und Fast food Ketten ließen sich nieder.  Die Reduktion der Basis auf 150 Soldaten reduzierte die Einwohnerzahl des Ortes auf die Hälfte, große Flächen sind derzeit verweist – nur Burger King überlebte!

Unser eigentliches Ziel:  Angra Do Heroismo erreichten wir mit dem Bus.

Auch Angra war nach dem großen Erdbeben nahezu zerstört. Zur Vermeidung einer noch größeren Abwanderungswelle wurden erhebliche finanzielle Mittel für den Wiederaufbau bereitgestellt Die Stadt wurde nach alten Plänen wieder so gut aufgebaut, dass sie bereits 1983 zum World Heritage Kulturgut erhoben wurde.

Die Bewohner sind für ihre zahlreichen Feste bekannt. Ein außergewöhnliches Ereignis sind die Bullenrennen, die jährlich zwischen Ostern und Pfingsten stattfinden. Dann werden die schwarzen Stiere durch die (vorbereiteten) Straßen getrieben. Und die Toreros müssen sich in Sicherheit bringen.

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Unser Spaziergang startet am Obelisk auf der Alto da Memoria mit Blick auf die Stadt.

Der Weg führt weiter durch öffentliche Grünanlagen und den wunderschönen Stadtgarten Jardim Duque la Terceira.

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Anschließend laufen wir durch die schönen Gassen hinunter bis zum Meer.

Zum Abschluss unseres Rundgangs besuchen wir den ältesten Laden der Stadt. Hier bekommt man alles Lebensnotwendige, saisonal aber unterschiedlich.

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