Easter Island

Die Osterinsel, die östlichste, besiedelte Insel Polynesiens, erhielt ihren europäischen Namen im Jahr 1722, als die Insel am Ostersonntag von einer niederländischen Expedition unter Roggeveen entdeckt wurde. Die Insel gilt als der einsamste Ort der Welt, da im Umkreis von mehr als 2.000 km kein Festland, also keine weitere Insel, zu entdecken ist. Zum nächsten Kontinent, also bis nach Chile, sind es sogar mehr als 3.500 km.

Die dreieckige Insel mit 163 Quadratkilometern entstand aus drei Vulkanen (ca. 3 Mio – 0,6 Mio Jahre alt): dem Terevaka, mit 507m der jüngste, dem Poike und dem Rano Kau im Süden, mit einer 200m tiefen und 1,6 km breiten Caldera.

Bekannt sind die Osterinseln für ihre rauhe See, sodass das Anlanden mit Zodiaks häufig nicht möglich ist. Eine größere Pier, an der Schiffe anlegen können, gibt es auch hier nicht. Uns empfangen die Osterinseln erst einmal mit grandiosen Ausblicken.

Auch bei unserer Ankunft sind die Wellen bis über 3m hoch und die Wellen rollen mit voller Wucht in den kleinen Hafen. Ein Anlanden ist unmöglich, denn dann müssten wir mit den Zodiacs durch die Brandung. Zudem scheitert der Versuch, die Plattform zum Ausstieg auszufahren, kläglich, da sie permanent von den Brechern überspült wird.

Nach langer Verhandlung mit der Chilenischen Küstenwache dürfen wir um die Insel herumfahren und versuchen, an der Nordküste anzulanden. Der Blick auf die beiden Vulkane Terevaka und Poike sind atemberaubend.

Wir starten unseren nächsten Versuch. Diesmal klappt es tatsächlich: Die Zodiacs werden zu Wasser gelassen und das Abenteuer kann beginnen. Kaum haben wir abgelegt, merken wir allerdings, dass die Fahrt eher einer Mischung aus Expeditionskreuzfahrt und Schleudergang in der Waschmaschine gleicht.

Die Strecke ist auch noch sehr lang, die See ordentlich aufgewühlt, und jede Welle scheint das feste Ziel zu haben, uns möglichst gründlich einzuweichen. Spätestens nach den ersten Minuten ist klar: Trocken wird heute niemand ankommen.

Trotz aller Schaukler und gelegentlichen Salzwasserduschen genießen wir die Fahrt. Irgendwann erreichen wir schließlich Anakena Beach. Für uns fühlt sich die Ankunft schon fast wie die Entdeckung einer neuen Insel an. Kein Wunder, dass einst genau hier die Expeditionsgruppen von Ariki (König) Hotu Matu’a, den ersten Siedlern der Osterinsel, gelandet sein sollen. Anakena war damit lange das bewohnbare Zentrum der Insel.

Nachdem wir festen Boden unter den Füßen haben, sind wir uns einig: Die nasse und ziemlich holprige Anfahrt hat sich absolut gelohnt. Anakena empfängt uns mit Palmen, weißem Sand. Und ganz nebenbei wissen wir jetzt auch, wie sich Kleidung anfühlt, die gleichzeitig getragen und gewaschen wird

Während wir den herrlichen Strand betrachten und unsere langsam trocknenden Kleidungsstücke zählen, erfahren wir mehr über die Geschichte der Insel. Über viele Jahrzehnte wurde die Osterinsel hauptsächlich als Schaffarm genutzt. Die Schafe hatten es allerdings damals deutlich einfacher als wir auf dem Zodiac. Das änderte sich erst mit dem Bau einer Landebahn durch die US Air Force im Jahr 1965, um von hier das Verhalten der äußeren Erdatmosphäre zu dokumentieren. 1987 verlängerte die NASA die Start- und Landebahn als Notstart- und Landebahn für das Space Shuttle, was aber nie genutzt wurde. Die Insel war jetzt besser erreichbar und stärker mit der Außenwelt verbunden. Davon profitierte insbesondere der Tourismus mit inzwischen mehr als 100.000 Besuchern pro Jahr.

Über sanfte Hügel, bedeckt mit Grasland, Büschen und Eukalyptuswälder fahren wir am felsigen Ufer entlang nach Hanga Roa, dem einzigen Dorf der Insel an der Südwestküste. Hier landete Kapitän Cook 1774, wo Missionare die erste Kirche bauten und Schiffe den besten Schutz vor Wind und Wellen finden. Seit 1935 ist die Insel ein nationales historisches Denkmal, und heute sind 43,5 % der Insel ein Nationalpark, der 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Hanga Roa

Hanga Roa ist ein schöner, ruhiger Ferienort mit einem kleinen Hafen, mehreren kleinen Hotels und Restaurants.

Die Moais

Rapa Nui, der indigene Name der Osterinsel, zeugt von einem einzigartigen kulturellen Phänomen. Eine Gesellschaft polynesischen Ursprungs, die sich hier um das Jahr 300 n. Chr. niederließ, begründete eine kraftvolle, fantasievolle und originelle Tradition monumentaler Skulptur und Architektur, aufgrund der isolierten Lage ziemlich frei von äußeren Einflüssen. Lediglich Ähnlichkeiten der ältesten Moais zu polynesischen Figuren und Einflüsse der Inkas beim Bau von Steinmauern konnten nachgewiesen werden.

Vom 10. bis zum 16. Jahrhundert errichtete diese Gesellschaft Schreine und riesige Steinfiguren, sogenannte Moais, die eine unvergleichliche Kulturlandschaft schufen, die Menschen auf der ganzen Welt bis heute fasziniert haben und so Grundlage von Mythen und Fantasiegeschichten geworden sind.

Die Moais sind Darstellungen von besonderen Persönlichkeiten der damaligen Gesellschaft. Über 1000 Moais wurden erschaffen, von denen allerdings nur 5 weiblich sind. Die Moais wurden auf großen, horizontalen Plattformen, den sog. Ahus, unter denen sich die sterblichen Überreste der dargestellten Personen befinden, errichtet. Die Moais sollten die Bevölkerung schützen und sind von daher zum Landesinneren und nicht zum Meer ausgerichtet.

Infolge interner Kämpfe, Aufstände oder Clan-Auseinandersetzungen, wurden fast alle Moais zerstört. Erst im 20. Jahrhundert sind einige Ahus mit ihren Moais unter Zusammenarbeit internationaler Teams wieder restauriert und hergestellt worden. Ein bekannter Archäologe dabei war William Murray.

Wir machen uns auf den Weg die Welt der Moais zu erkunden.

Wir besuchen Vinapu, eine Stätte, die bisher nicht restauriert wurde. So sahen sie alle einmal aus. Überall liegen Überreste der zerstörten Moais.

Diese Wände dieses Ahu sind in der Bauweise der Inkas errichtet. Durch das Loch in der Steinwand wurden die Überreste des Herrschers bestattet.

Das restaurierte Ahu Akivi mit seinen 7 Moais wurde mitten auf der Insel errichtet. Der Legende nach stellen diese Statuen die sieben Entdecker dar, die vom König Hotu Matua nach Rapa Nui geschickt wurden. Hier bekommen wir einen ersten, guten Überblick.

Ahu Tongariki ist die größte Plattform der Insel mit 15 Moais. Sie wurde 1960 durch einen Tsunami zerstört, aber inzwischen wieder aufgebaut.

Die Moais stehen mit dem Rücken zum Meer und sehen dem Sonnenaufgang entgegen.

Neben den Moais zieht ein Chimangokarakara unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Der Komplex von Ahu Tahai, der nur 1,25 Meilen außerhalb der Stadt Hanga Roa liegt, besteht aus drei verschiedenen Ahu’s (Plattformen): Ahu Ko Te Riku, Vai Ure und Tahai.

Ahu Tahai zeigt, wie nah verschiedene Ahu’s zusammenliegen.

Es wird angenommen, dass dieser Komplex eine der ältesten antiken Statuen Stätten auf Rapa Nui (6. Jahrhundert) ist.

Ahu Ko Te Riku ist eine wunderschöne einzelne Statue, die auf einer eigenen Plattform steht. Die Statue stammt aus dem Jahr 690 n. Chr. und befindet sich in einem gutem Zustand. Die weißen Augen mit dunklen Pupillen wurden restauriert.

Die Moai-Faktory Rano a Raraku

Im Rano a Raraku-Steinbruch war die „Fabrik“ der Moais. Nur hier in der Nähe des Vulkans Poike gibt es auf der Osterinsel den weichen Tuffstein, aus dem die Moais gefertigt wurden.

Überall am Hang des Vulkans findet man die halbfertigen, gigantischen Statuen. Man kann gut die verschiedenen Produktionsphasen sehen. An den vielen halbfertigen Moais erkennt man sehr gut, dass die Arbeiten plötzlich, vor allem aber ungeplant eingestellt wurden.

Mit Steinwerkzeugen aus Basalt wurden die Mois aus dem Felsen geschnitzt.

Danach wurden sie in aufrechter Position in Gruben weiter bearbeitet. Heute ragen fast nur die Köpfe, also ein Drittel der Staue aus der Erde heraus. An diesem Moai kann man sehr gut die Verzierungen am Hals erkennen.

Der Vogelmann-Kult in Orongo

Wir fahren zum Vulkan Rano Kau. Seine Schönheit und Geschichte mit über 2,5 Millionen Jahren ist überwältigend. Er ist bekannt für seine Klippen und seinen Kratersee, der etwa eine Meile (ca. 1,6 Kilometer) im Durchmesser und etwa 918 Fuß (280 Meter) tief ist.

Nach spektakulären Panoramaausblicken nähern wir uns dem zeremoniellen Dorf Orongo. Orongo befindet sich am westlichen Rand des Rano Kau. Es ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten im Nationalpark Rapa Nui und der meistbesuchte Ort auf der Osterinsel.

Orongo besteht aus etwa 53 elliptisch geformten Häusern mit Schieferwänden und einem kleinen quadratischen Eingang mit Blick auf das Meer. Es handelte sich nicht um ein normales Wohndorf, sondern um ein heiliges Zeremonialdorf der Rapa Nui (den Ureinwohnern der Osterinsel).

Die Stammeshäuptlinge und Priester wohnten während der Feierlichkeiten in den Steinhäusern, um rituelle Zeremonien zu leiten und den Göttern (insbesondere dem Schöpfergott Makemake) Opfer darzubringen.

Die verschiedenen Clans der Insel versammelten sich in Orongo, um die Vertreter ihres jeweiligen Stammes bei dem lebensgefährlichen Vogelmann-Wettkampf (Tangata Manu) zu unterstützen, der im 18. und 19. Jahrhundert abgehalten wurde. Der Häuptling des Siegers wurde für ein Jahr zum heiligen „Vogelmann“ ernannt und erhielt die politische und religiöse Herrschaft über die Insel.

Für den Vogelmann-Wettkampf, eine Art Triathlon, mussten die Kandidaten zum tiefsten Punkt des Kraterrandes laufen, dann zum Meer hinunterklettern, anschließend zu der Insel Moto Nui schwimmen, auf die Insel klettern, ein Ei aus dem Nest der Rußseeschwalbe (Manutara) nehmen, zum Meer wieder hinunterklettern, zurück schwimmen und abschließend wieder zum Dorf heraufklettern. Sieger war, der als erster ein unverehrtes Ei am Zielpunkt ablieferte.

Rücksprünge: